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SHARP Zaurus SL-5x00- Kritische Anmerkungen

Dieser Bericht wurde TuxMobil von Tobias Hunger (Fresco) [Externer Link] <tobias_at_fresco.org> zur Verfügung gestellt. Bearbeitung für das WWW und Edition Werner Heuser. Weitere kritische Bemerkungen zu QT-Embbeded (Lizenzpolitik, X11, Dateisysteme, ..) finden sich in dem Artikel von Michael Engel und Nils Färber: Zwergen-Makeup - Grafische Benutzerschnittstelle ohne X-Server (Qt/Embedded) im Linux-Magazin 03/2001 S. 37ff. [Externer Link] und bei Zaurus Information at Wynn Data Limited  [Externer Link] (in englisch). Technische Infos zu Linux auf dem Zaurus (in englisch).

Bis jetzt habe ich hauptsächlich die QT-Tools getestet. Der Zaurus kommt mit 4 Tabs für Applikationen vorinstalliert. Dies sind:

Anwendungen

Adressbuch: Erlaubt recht viele Angaben pro Person. Was mich aber dran nervt, Geburtstage werden dort zwar gespeichert, aber nicht im Kalender eingetragen. Die einzige Funktion die ich bei einem PDA erwarte ist, das er mich an Geburtstage erinnert:-) Ansonsten ist die Liste der möglichen Eintragungen lang und leider auch fest vorgegeben. Es gibt viele Felder die ich nicht brauche und von daher auch nicht sehen will. Die Reihenfolge der Felder kann man ändern, die Felder selbst nicht. Naja, wenigstens etwas.

ToDo: Ist recht brauchbar.

Kalender: Nix weltbewegend tolles, aber brauchbar. Eine Terminabsprache über e-mail etc. ist nicht möglich.

Email: Sieht sehr gut aus. Man kann Anhänge anfügen, das Adressbuch nutzen, POP3 und IMAP Server abfragen, Signatures setzen. Sieht recht komplett aus, PGP/GPG fehlt natürlich. Man kann Adressen aus dem Adressbuch einfügen. Benutzt habe ich das ganze wg. fehlendem Netz noch nicht.

Hilfe: Ist nicht besonders hilfreich. Zum Thema Synchronisation steht da sinngemäß: "In's Craddle packen, Knopf drücken, das war's". Das ist glatt gelogen (s. unten). Die Spielregeln der beigepackten Spiele sind allerdings zu verstehen (Ausnahme: Go;-).

Image Viewer und Media Player: Mir fehlen die Bilder/Medien zum viewen. Wenigstens ein Demobild hätten sie ja beipacken können (oder einen Link auf das Startup Bild setzen).

Opera: Das scheint das Highlight der Anwendungen zu sein. Natürlich ist es gegenüber dem Desktopvorbild abgespeckt, aber es sieht trotzdem noch recht mächtig aus! Klasse Teil, leider hab' ich's wegen fehlendem Netz noch nicht testen können (und auch hier fehlen Beispiele).

Systeminformation: Schön bunt, kaum Information. Der 'gesamte Speicher' wird als 28MB angegeben, wie kommt er auf diese Zahl? Einen Reiter weiter wird der 'interne Speicher 'als 32MB angegeben, ... auf der Packung steht 64MB. Wo ist der Rest? Wie kann der interne Speicher größer als der gesamte Speicher sein? CPU-Belastung (durch System) ist immer auf fast 100%. Wahrscheinlich der idle-thread, ... sehr verwirrend. Wenigstens kann man hier rausbekommen welche Version die ganzen Programme haben:-)

Taschenrechner: +-*/%, 101/1001 = 0.irgendwas * 1001 = 100,999 ... unbrauchbar:-(

Texteditor: Naja... nix was ich auf einem richtigen Rechner benutzen würde.

Uhr: Unnötig, eine Uhr ist schon in der Statusleiste.

Voice Recorder: Kein Micro... da brauche ich das Ding auch nicht:-(

Weltzeituhr: Recht praktisch wenn man mal wieder ein IRC-Meeting arangieren muß. Wirklich cooles Teil.

Spiele

Asteroiden: Bekannt, gut. Steuerung ist etwas gewöhnungsbedürftig (Steuerkreuz ist gleichzeitig Feuerknopf).

Go: Gegen den Computer oder einen Mitspieler. Das ist wirklich Klasse, nur sollte man die Regeln kennen, aus der Hilfe wird man definitiv nicht schlau!

Mindbreaker: Nettes Knobbelspiel, wenn ich irgendwann mal lerne, das eine Farbe mehrfach vorkommen kann, dann gewinne ich vielleicht auch mal:-)

Minenjagd: Der Klassiker mit altbekanntem Suchtfaktor

Patience: Muß ich wohl auch nix mehr zu sagen;-) Die Bedienung finde ich etwas strange: Man kann die Kartenabhebeart wärend des Spiels verändern, Damit immer nur eine Karte abgehoben wird muß man "drei Karten umdrehen" auswählen.

Schlange: Snakes dürfte hinreichend bekannt sein, ... die Faszination des Ganzen entzieht sich mir seit Urzeiten.

Jeode

Ein Graphikbenchmark ohne Ergebnisausgabe (PrimTest) und eine Graphikdemo. Beide fallen aus dem Rahmen der anderen Applikationen, da in einem Fenster das kleiner ist als der Bildschirm, beide hätte man ohne Verlust weglassen können! Naja, man hat halt Java draufgepackt, da will man das halt auch vorführen, ... Eine sinnvollere Demo wäre halt nett gewesen.

Einstellungen

Was man halt so braucht. "Sicherheit" ist natürlich hanebüchener Unsinn... es setzt nicht das root-passwort wie ich es erwartet hätte sondern nur eine PIN, die beim Start von QT abgefragt wird. Sonst ist eigentlich alles da was ich so erwartet habe.

Backup/Restore kann allerdings nur auf CF/SD-Karten speichern. Es wäre nett gewesen, wenn man das über's Netz machen könnte. Evtl. geht das ja mit der Synchronisationssoftware.

Dokumente

Hier tauchen eigene Dateien auf. Wenn man sie lange 'antabt' kriegt man einen Dialog in dem man sie löschen, senden, etc. kann. Leider fehlt hier die Angabe der Dateigröße. Insbesondere da der Speicherplatz doch recht begrenzt ist wäre das eigentlich wichtig.

Was fehlt?

Ganz besonders fehlt mir ein Programm mit dem man die Tabs konfigurieren, Anwendungen zwischen den Tabs hin- und herschieben kann, etc. Das "Anwendungen"-Tab ist schon recht voll, das Installieren von ein Paar weiteren Programmen bringt das ganze zum Überlaufen. Daneben hätte ich gerne die Möglichkeit einzelne der mitgelieferten Anwendungen zu entfernen. Theoretisch (und praktisch, mit einiger Handarbeit:-) ist das problemlos möglich, das ganze QTopia liegt nicht auf dem Flash-ROM.

Alles in allem ist die Softwareausstattung aber OK. Die Eingabe mit dem Stift finde ich bestenfalls gewöhnungsbedürftig. Die Buchstaben sind allerdings recht schnell gelernt (schneller als Palm's Grafitti oder wie das Ding heißt), nur das G bekomme ich nicht hin. Jedenfalls kommt der Zaurus lange nicht an den Apple Newton ran! Schon alleine weil man in diesem blöden Rahmen schreiben muß (wie bei WinCE und Palm (dort ist der Rahmen fest aufgemalt, ... wenigstens zahlt man da nicht den LCD-Bildschirm der durch das ganze verschwendet wird)).

Die anderen Eingabehilfen (Onscreen Tastatur, Pickboard und Unicode) sind allerdings noch blöder. Wenigstens braucht das Pickboard weniger Platz auf dem Bildschirm. Unicode ist allerdings so ziemlich das sinnloseste was man machen konnte: Erstens nimmt es saumässig viel Platz ein und zweitens kann der Zaurus nur die paar Zeichen die man auch anders eingeben kann! Von den 64K Zeichen, die der Unicode-Eingabe-Helfer anbietet sind also fast alle leer. Was bitte soll das?! Den ganzen Surrogate-Pair Kram (also alles > 0xFFFF) hat Sharp schon gleich mal ganz weg gelassen, ... Unicode kann schliesslich ca. 4 Mio. Zeichen codieren. Davon nur 64000 anzubieten und dann auch noch alle bis auf 256 oder so leer darzustellen, das ist schon frech:-)

Die eingebaute Tastatur ist gut zu benutzen. Wäre besser, wenn die Tasten nicht so rutschig wären, dann könnte man mit dem Stylus tippen. So rutscht er immer ab und man muß die doch recht kleinen Tasten mit den dicken Fingern bedienen. Eine 'feststellbare' Shift Taste (bleibt aktiv bis nach dem nächsten Tastendruck) würde die Eingabe weiter vereinfachen. Im Craddle kann man die Tastatur nicht 'ausfahren', man ist also auf den Stift angewiesen. Schade eigentlich, ohne Netzwerkkarte kann man dadurch nicht GUI-los im Netz arbeiten.

Die Hardware macht einen recht stabilen und gut verarbeiteten Eindruck. Das Display ist hell (wenn die Beleuchtung an ist) und selbst bei ausgeschalteter Beleuchtung noch einigermaßen zu erkennen. Lediglich oben rechts ist es etwas dunkel.

Ohne GUI

Das eigentlich coole an dem Teil! Auch ohne Eigenarbeit kann man auf die Console booten. Dort gibt es das meiste was man so braucht: Das kein root passwort gesetzt ist finde ich verdammenswürdig! Ein einfaches 'passwd' behebt dieses Manko. Das desweiteren die gesamte GUI ebenfalls als root läuft ist ebenfalls ein nicht zu verzeihendes Sicherheitsloch! Nicht so groß, da das Basissystem auf einem Flash-ROM liegt, aber trotzdem kann man z.B. das gesamte QTopia löschen.

Verbindung mit dem PC

Die Cradle kann man über USB an einen PC anschließen. Den Kernel des PCs muß man patchen um den Zaurus überhaupt erkennen zu können. Danach kann man den Zaurus über das Netzwerkdevice usb0 ansprechen, ein entsprechendes Setup der IP-Addressen und des Routings vorausgesetzt. Selbstverständlich kann man den PC dann so konfigurieren, das er den Zaurus ins Internet hängt. Per FTP (User: root, Port: 4242, benutzt was ganz Einfaches, die 'guten' FTP-Clients lehnen den Login 'root' zum Teil kommentarlos ab) kann man Dateien zwischen den Rechnern übertragen. Zu dem ganzen Vorgang gibt es im Netz gute Anleitungen. Auf der Trolltech Homepage git es angeblich eine Linux-Version der Sync-Software. Allerdings wird man wohl auch damit um das Kernel-patchen nicht herumkommen.

Fazit

Für Geeks und Linux-Fans:

Der PDA schlechthin. Allerdings hat er für diese Zielgruppe den Fehler keinen Filemanager/Terminal installiert zu haben. Beides ist aber auf der beiliegenden CD mit drauf, ... hatten wohl Angst das sich Anfänger die Konfiguration zerschiessen und es deshalb nicht installiert. Man ist ja immer root. Für diese Zielgruppe wäre desweiteren SSH schön gewesen.

Für 'normale' PDA-Nutzer:

Finger weg! Ich sehe eh' nicht ein, warum so man einen PDA braucht. Ein Notizbuch ist viel billiger und läßt sich wesentlich besser handhaben. Leider kann man das nicht mit einen PC synchronisieren. Der Zaurus kriegt das aber unter Linux auch nicht hin! Sharp hat es nicht mal für nötig befunden ein Kapitel zu diesem Thema im Handbuch anzubieten! Unter Windows soll es besser sein, kann ich nix zu sagen, ich bin Microsoft-frei.

Die Anwendungen, die beiliegen sind zum größten Teil nicht wirklich prickelnd. Die Spiele sind allerdings ganz nett, aber dafür soviel Geld rausschmeißen? Andere Software gibt es (noch) kaum. Mit einem Palm ist man also wesentlich besser bedient.

Alles in allem glaube ich nicht das der Zaurus ein Erfolg wird: Er ist ein Nischenprodukt das dem COMPAQ iPAQ ein paar Käufer im Linuxlager abgraben wird.

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